Ein Mensch bricht zusammen, reagiert nicht mehr und atmet nicht normal: Viele fürchten genau diesen Moment, weil sie nicht wissen, was zu tun ist. Dabei ist Reanimation für Laien einfacher, als die meisten denken. Wir erklären Schritt für Schritt, wie Sie bei einem Herzstillstand handeln, damit Sie im Ernstfall nicht zögern.
Herzstillstand erkennen: Warum Sekunden zählen
Nach Angaben des Swiss Resuscitation Council (SRC) erleiden in der Schweiz jedes Jahr rund 7500 Menschen einen Herzstillstand. Das passiert oft zu Hause, am Arbeitsplatz oder in der Freizeit, also genau dort, wo keine Fachperson in der Nähe ist. Der Rettungsdienst braucht auch bei schneller Alarmierung einige Minuten bis zum Einsatzort. In dieser Zeit entscheidet, ob jemand sofort hilft.
Ohne Sauerstoffversorgung nimmt das Gehirn schon nach wenigen Minuten Schaden, und mit jeder Minute ohne Wiederbelebung sinkt die Überlebenschance deutlich. Wer früh mit der Herzdruckmassage beginnt, überbrückt diese Zeit und verbessert die Chancen auf ein Überleben ohne bleibende Schäden erheblich.
Auf einen Herzstillstand deuten diese Zeichen hin:
- Die Person reagiert nicht, wenn Sie sie laut ansprechen und an den Schultern rütteln.
- Die Atmung fehlt oder ist nicht normal, zum Beispiel nur vereinzeltes, schnappendes Luftholen.
- Die Haut ist auffällig blass oder bläulich.
Reanimation für Laien: Prüfen, Rufen, Drücken
Die Schweizer Empfehlungen lassen sich auf drei einfache Schritte herunterbrechen. Sie müssen dafür keine Diagnose stellen. Wenn jemand nicht reagiert und nicht normal atmet, handeln Sie.
- Prüfen: Sprechen Sie die Person an, rütteln Sie sanft an den Schultern und achten Sie auf die Atmung. Reagiert sie nicht und atmet sie nicht normal, gehen Sie von einem Herzstillstand aus.
- Rufen: Wählen Sie den Notruf 144 (europaweit funktioniert auch 112), stellen Sie das Telefon auf Lautsprecher und schildern Sie kurz, wo Sie sind. Die Disponentin oder der Disponent leitet Sie am Telefon durch die Reanimation. Bitten Sie umstehende Personen, einen Defibrillator zu holen.
- Drücken: Beginnen Sie sofort mit der Herzdruckmassage und hören Sie erst auf, wenn der Rettungsdienst übernimmt, die Person wieder normal atmet oder Sie erschöpft sind.

Reanimation für Laien: Herzdruckmassage richtig durchführen
Legen Sie die Person auf den Rücken auf eine harte, ebene Unterlage. Knien Sie seitlich neben den Brustkorb und legen Sie den Handballen in die Mitte der Brust, die zweite Hand darüber. Strecken Sie die Arme und drücken Sie senkrecht von oben, mit dem Gewicht Ihres Oberkörpers.
- Tempo: 100 bis 120 Mal pro Minute. Als Taktgeber hilft ein bekannter Song mit passendem Rhythmus, etwa «Stayin’ Alive».
- Tiefe: etwa 5 bis 6 Zentimeter, also kräftig. Lassen Sie den Brustkorb nach jeder Kompression vollständig zurückfedern.
- Unterbrechungen: so kurz wie möglich halten. Wechseln Sie sich wenn möglich alle zwei Minuten mit einer zweiten Person ab, weil die Kraft schnell nachlässt.
- Beatmung: Wer es gelernt hat, wechselt nach 30 Kompressionen zu 2 Beatmungen. Wer sich unsicher fühlt, drückt einfach ohne Pause weiter. Auch das allein hilft nachweislich.
Und der Defibrillator?
Ein Automatischer Externer Defibrillator (AED) kann den Herzrhythmus analysieren und bei Bedarf einen Schock abgeben. Die Geräte sind für Laien gemacht: Sie sprechen mit Ihnen und sagen genau, was als Nächstes zu tun ist. Sobald ein AED zur Stelle ist, schalten Sie ihn ein, kleben die Elektroden wie auf den Bildern dargestellt auf den freien Oberkörper und folgen den Anweisungen. Ein Schock wird nur ausgelöst, wenn er medizinisch sinnvoll ist, einen Fehlschock können Sie nicht verursachen.
Wie ein Betrieb das Thema organisiert und worauf bei der Anschaffung zu achten ist, beschreiben wir im Ratgeber AED-Geräte im Betrieb. Eine Übersicht der in der Schweiz erhältlichen Defibrillatoren finden Sie in unserem Sortiment.
«Kann ich etwas falsch machen?»
Diese Frage hält viele davon ab, bei der Reanimation für Laien überhaupt den ersten Schritt zu machen. Die ehrliche Antwort: Bei einer Person ohne Atmung und ohne Reaktion kann Ihre Hilfe die Lage nicht verschlimmern, nur das Nichtstun. Bei einer kräftigen Herzdruckmassage können Rippen brechen. Das ist unangenehm, aber kein Grund aufzuhören: Eine gebrochene Rippe heilt, ein Herzstillstand ohne Hilfe nicht.
Rechtlich gilt in der Schweiz: Wer einem Menschen in unmittelbarer Lebensgefahr nicht hilft, obwohl es zumutbar wäre, macht sich nach Art. 128 des Strafgesetzbuches wegen unterlassener Nothilfe strafbar. Sie müssen keine Fachperson sein, verlangt wird nur, dass Sie im Rahmen Ihrer Möglichkeiten helfen. Mindestens den Notruf abzusetzen ist immer zumutbar.
Reanimation für Laien üben: Wissen auffrischen
Wer die Reanimation für Laien einmal selbst geübt hat, zögert im Ernstfall deutlich weniger. Der SRC hat seine Kursrichtlinien BLS-AED-SRC für 2025 überarbeitet. Grundlage sind die neuen europäischen und amerikanischen Leitlinien vom Oktober 2025. Die zentralen Schritte, also erkennen, 144 rufen, drücken und den AED einsetzen, bleiben dabei die Basis. Anerkannte Kursanbieter finden Sie über den SRC.
Wie oft sich eine Auffrischung lohnt, lesen Sie im Beitrag Erste-Hilfe-Kurs: Was er bringt und wie oft Sie ihn auffrischen sollten. Und wenn Sie wissen möchten, welche Vorgaben für Betriebe gelten, hilft der Artikel Erste-Hilfe-Pflicht im Betrieb weiter.
Das Wichtigste in Kürze
- Reanimation für Laien beginnt mit dem Erkennen: keine Reaktion, keine normale Atmung
- Sofort den Notruf 144 wählen und Lautsprecher einschalten
- Herzdruckmassage: Brustmitte, 100 bis 120 Mal pro Minute, 5 bis 6 cm tief
- AED holen lassen, einschalten und den Sprachanweisungen folgen
- Nicht aufhören, bis der Rettungsdienst übernimmt
- Falsch machen kann man nur eines: nichts tun

